Darauf war ich nicht vorbereitet
Chefarzt Lutz Humpert erinnert sich an die Legionellen-Krise vor fünf Jahren, die ihn und das Krankenhaus Maria Hilf vor eine extreme Herausforderung stellte.

Das Wichtigste in Kürze
WARSTEIN – Eine Lungenentzündung mitten im August? Als vor fünf Jahren die ersten Patienten mit grippeähnlichen Symptomen ins Krankenhaus Maria Hilf kamen, war Lutz Humpert alarmiert. Was folgte, war die größte durch Legionellen ausgelöste Erkrankungswelle in der deutschen Geschichte – eine Zeit, die den Internisten und heutigen Chefarzt der Gastroenterologie an seine Grenzen brachte. „Auf so eine Situation war ich nicht vorbereitet“, erinnert sich der 46-Jährige.
Kampf um Menschenleben und Suche nach der Ursache
Als Oberarzt hatte Lutz Humpert damals die Verantwortung, während der Chefarzt im Urlaub war. Er musste nicht nur die Patienten behandeln, sondern auch die Ursache für die mysteriöse Erkrankungswelle finden. Die schnelle Umstellung auf eine erweiterte Therapie habe sich ausgezahlt, denn die Todesrate konnte so deutlich niedriger gehalten werden als bei vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit.
Eine zusätzliche Belastung war der enorme Medienrummel. Lutz Humpert erinnert sich an den plötzlichen Besuch von Journalisten, doch seine Kollegen, allen voran Anästhesie-Chefarzt Thomas Schumacher, nahmen ihm einen Großteil der Medienarbeit ab.
Die Vorteile eines Kleinstadt-Krankenhauses
Nachdem ein Rückkühlwerk als Ursache der Legionellen ausfindig gemacht und abgeschaltet wurde, ging die Zahl der Erkrankungen zurück. Humpert erlebte eine große Erleichterung, auch wenn drei der über 150 Patienten ums Leben kamen. Ein Patient, der lange beatmet werden musste und bei dem eine Heilung damals unwahrscheinlich schien, kam vor Kurzem zur Vorsorge und war in einem sehr guten Zustand. „Sowas reicht einmal im Leben“, resümiert Humpert.
Heute schätzt er die Arbeit in einem relativ kleinen Krankenhaus. „In einer Großstadt wäre ich vollkommen verloren“, sagt er. Hier kann er sowohl stationär als auch ambulant arbeiten, mit leichten und schweren Fällen. Er betont, dass die kurzen Dienstwege im Maria Hilf zwischen Ärzten, Pflegern und anderen Abteilungen ein großer Vorteil für die Patienten sind.
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